Im 1. Weltkrieg besetzen die deutschen
Truppen zum Jahresanfang 1915 einen Steinbruch auf dem Chemin des
Dames, einem Höhenzug im Departement Aisne, der wahrscheinlich
bereits seit dem 16. Jh. bewirtschaftet wurde. Dieser Steinbruch
war mehr als ein Feldlager und wurde schnell zu einer wichtigen
strategischen Stellung.
Eine der Legenden, die die Deutschen vielleicht zu der Bezeichnung
„Drachenhöhle“ inspirierten, ist die Tatsache,
dass sich an allen 7 Eingängen Waffen befanden, die Feuer
spuckten wie ein siebenköpfiger Drache.
Die Maschinengewehre sind in Stellung gebracht. Und der Feind, den
es zu töten gilt, sind französische Kämpfer…
So entsteht die Drachenhöhle, und das Blut fließt in
Strömen.
Krieg 15 Meter unter der Erde…
Während des Krieges ist es gang und gäbe, dass die
Truppen in alten Steinbrüchen Stellung beziehen, so auch in
den Höhenzügen des Departements Aisne um die Stadt
Soissons. Als die deutschen Soldaten die Franzosen aus der
Drachenhöhle vertreiben, sind sie im Vorteil. Sie haben eine
strategisch wichtige Stellung eingenommen, denn von der Höhle
aus können sie Überraschungsangriffe auf dem
Höhenzug des Chemin des Dames führen, der das Aisne- und
das Ailettetal überragt, und sich blitzschnell wieder
zurückziehen. Trotz der hohen Feuchtigkeit bietet sie Schutz
vor Kälte, und die Deutschen bauen sie zu einer echten Kaserne
mit Schießstand und Stromnetz aus. Während sich in den
Schützengräben die Leichen stapeln, bauen die Deutschen
nach und nach die unterirdischen Gänge aus: Schlafsäle,
eine Kapelle, ein Brunnen, ein Verbandsplatz, sogar ein
Friedhof… Wenn die Steinwände nicht primär als
Schutz vor feindlichen Kugeln oder Gasangriffen dienen, verewigen
sich dort die Soldaten während ihrer Ruhephasen mit manchmal
religiösen Motiven: Sie hinterlassen Zeichnungen oder
Botschaften mit Kerzenrauch oder ritzen sie ein. Um die Zeit
totzuschlagen, meißeln die Geschicktesten mit Kugeln und
Patronenhülsen Objekte in Stein.
Am 25. Juni 1917 gelang den französischen Soldaten kurze Zeit
nach der dramatischen Niederschlagung der Offensive des
französischen Generals Nivelle ein Sieg: Sie nahmen die
Drachenhöhle ein. Nach und nach drängen sie die Deutschen
in den hinteren Teil zurück. Von Juli bis Oktober 1917
verschieben sich die Grenzen zwischen den beiden feindlichen Lagern
im Inneren der Höhle immer wieder, und beide Truppen sind in
ständiger Alarmbereitschaft. Das kleinste Geräusch in den
unterirdischen Hohlräumen der Höhle lässt nun die
Nerven blank liegen…



Bereits 1920 wird die Drachenhöhle
als Kriegsdenkmal touristisch erschlossen, und Besucher durchlaufen
sie zunächst mit Kerzen und später mit Gaslampen.
1969 fiel auf Betreiben von Henri de Benoist, dem Präsidenten
der Wirtschaftsjunioren Laon, Gérard de Francqueville von
der französischen Kriegsgräberfürsorge Souvenir
français und Maurice Bruaux, dem Direktor des
Fremdenverkehrsausschusses des Departements Aisne, der Startschuss
für ein neues Museum, das am 4. Mai in Anwesenheit des
französischen Forschungsministers Robert Galley seine Tore
öffnete.
1995 übertrug Souvenir français die Drachenhöhle
für 30 Jahre dem Conseil Général des
Departements Aisne. Im Anschluss daran wird die Drachenhöhle
als Museum umgestaltet. Am 5. November 1998 empfängt man die
französische Kulturministerin Catherine Trautmann.
Am 5. Juli 1999 wird die Drachenhöhle schließlich wieder
für das breite Publikum geöffnet, und we-gen ihres
Renommees wird sie bald zum Museum mit den höchsten
Besucherzahlen im Departements Aisne.
In der Drachenhöhle verschmelzen jahrhundertealte Stollen und
zeitgenössische Inszenierungen und lassen eine von
Erinnerungen überfrachtete Vergangenheit lebendig werden.
Zahlreiche Animationen, Objekte, Tonaufzeichnungen, Videos und
Archivbilder lassen den Besucher eintauchen in den Alltag der
Frontsoldaten, der sowohl für die französischen Soldaten
als auch für ihre Gegner die Hölle war.